Schwarze Katze vor gestreiftem Grund sitzend

Ein geschmeidiger Körper, umhüllt von seidig schwarzem Fell. Lautlos wandelnd auf krallenbewehrten Pfoten. Spitze Ohren auf einem klugen Kopf. Die Augen zwei stechend schwarze Schlitze in einem Meer aus Turmalin und Bernstein.

Obwohl schwarze Katzen eine besondere Faszination auf uns ausüben, sind sie noch immer ein Symbol für das drohende Unglück. Besetzt mit einem Aberglauben, dessen Wurzeln in der Angst vor uns selbst zu finden sind.

Der geschichtliche Ursprung

Seinen geschichtlichen Hintergrund findet der Aberglaube der schwarzen Unglückskatze in der Inquisition, deren Umsetzung sich auf die Zeit des anfänglichen 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erstreckt.

Eine Zeitspanne die durchaus ausreicht, um einen Aberglauben an etwas auf ewig zu festigen. Denn noch heute ist dieser bekannt, und wenn auch belächelt, ist er noch immer nicht vergessen.

Natürlich richtete sich die Idee der Inquisition nicht im speziellen gegen schwarze Katzen. Sie diente zur Aufdeckung und Ausmerzung von ketzerischem Sinneswandel.

Mit der Grundlage des christlichen Glaubens gingen die Vertreter der Inquisition zum Teil äußerst kompromisslos vor. Eine unvollkommene Einstellung gegenüber dem Christentum galt als Wegbereiter für die Macht des Teufels. Verstöße und eine kritische Haltung zum christlichen Glauben wurden nicht selten mit Folter geahndet.

Als besonders einprägende Maßnahme zur Wahrung des Glaubens wurde in vielen Fällen auch das Todesurteil ausgesprochen und die Angst vor drohendem Unglück hat sich mit der fanatisch praktizierten Hexenverbrennung buchstäblich in das Gewissen der Menschen eingebrannt.

Ein Abbild des Bösen

Mit der Verfolgung von Hexen entwickelte sich gleichzeitig die Abneigung gegenüber anderen vermeintlich magischen Wesen.

In das eigenwillige Naturell der Katze wurde vieles von dem hineininterpretiert, was die Vertreter der Inquisition unter vollkommener Kontrolle halten wollten. Ihr Fanatismus führte dazu, dass die Katze zum Symbol von Sünde und teuflischem Einfluss wurde. Zuvor noch in älteren Religionen als Göttinnen der Fruchtbarkeit verehrt, waren sie nun der Ausdruck von Wollust, Lasterhaftigkeit und immer eine Gefahr von Verführung zum Bösen.

Mit der damaligen Neigung, unerklärliche und nicht kontrollierbare Dinge dem Teufel zuzuschreiben, wurden vor allem auch schwarze Katzen ein Opfer der inquisitorischen Verfolgung und landeten zusammen mit ihren menschlichen Begleitern auf dem Scheiterhaufen.

Der spätmittelalterliche Zeitgeist zeichnete also ein sehr bedrohliches und einprägsames Bild der Katze.

Ein kleines, sich lautlos bewegendes Wesen das bei Dunkelheit die Fähigkeit zu besitzen scheint, sich unsichtbar zu machen. Nur das Licht von Feuer, reflektiert in den von schwarzen Schlitzen zerteilten Augen. Das eindringliche Geräusch ihres Knurrens in dieser für sie selbst so bedrohlichen Situation. Ihr abwehrendes Fauchen zerreißt die beängstigende Stille, als man sich ihr unerlaubt nähert. Der Feuerschein vergoldet das schwarze Fell. Verführerisch seidig schwarzes Fell. So schwarz wie verbrannt und unmittelbar aus den Feuern der Hölle entstiegen.

Der psychologische Ursprung

Ein Aberglaube lässt sich jedoch nicht allein durch geschichtliche Ereignisse erklären. In diesem Aberglauben verbirgt sich eine sehr ursprüngliche Angst. Die Angst des Menschen vor sich selbst.

Die Katze scheint ein besonders widersprüchliches Wesen zu sein. Vor allem schwarze Katzen verkörpern durch ihr Erscheinungsbild diese Widersprüchlichkeit besonders intensiv.

Ein selbstbewusstes Wesen mit berechnendem Charakter, jägerischen Instinkten und Eigenwille. Gleichzeitig voller Sanftmut, Zuneigung und maßloser Liebenswürdigkeit. Seidig warmes Fell mit dem Duft nach Geborgenheit, versetzt mit Zähnen und Krallen spitz wie Nadeln.

Die Widersprüchlichkeit eines Geistes ist das, was uns Menschen bedrohlich erscheint. Ganz besonders die des eigenen. Sie führt uns zu der inneren Auseinandersetzung mit uns selbst. Sie macht es uns schwer den einen, festen Punkt zu greifen, mit dem wir uns definieren wollen. In der Katze könnte man eine Verbindung zu dieser Auseinandersetzung sehen.

Sie ist nicht direkt Symbol für Unglück, jedoch ein Bild für die Widersprüchlichkeit, die der Mensch so schwer einzuordnen weiß.

Ein Abbild unserer Angst

In einer Zeit, in der durch die Macht der Religion die wissenschaftliche Erforschung der Welt stark in den Hintergrund gerät, bleiben Naturkatastrophen und Krankheiten gottgewollte oder vom Teufel verursachte Schicksalsschläge.

Zu einer Angst vor der Wehrlosigkeit gegenüber Unerklärlichem und Unbeeinflussbarem gesellt sich die Angst vor den inneren Dämonen. Der Mensch sucht nach Ordnung und der Kontrolle über sich selbst. Die von der Kirche formulierten Sünden sind die Dämonen, die sich ihm bei dieser Suche unermüdlich in den Weg stellen. Kontrollverlust und Zerrissenheit.

Er projiziert sie aus sich heraus auf ein Wesen nicht menschlicher Natur als eine Möglichkeit sie zu bekämpfen. Vor allem die schwarze Katze bot ein äußerst passendes Bild für diese Projektion.

Schwarze Katzen – Ursprung unseres Glücks

Schwarze Katze vor gestreiftem Grund liegend
Heute sind wir zu einer weniger religiösen, jedoch wahrscheinlich nicht minder intensiven Art der Verehrung der Katze zurückgekehrt. Denn wir können uns nicht wehren gegen ein Wesen, das uns mit seiner bloßen Existenz einen Spiegel vorhält. Unser Verlangen nach Selbsterkenntnis lässt sich nicht von dieser Projektion lösen, mit der wir heute endlich besser umgehen können.

Wie so viele andere hat die Katze den Prozess der Selbsterkenntnis des Menschen mit einem hohen Preis bezahlt.

Heute schlägt unser Herz vor Freude schneller beim Anblick des kleinen Raubtiers, das seine Zuneigung auf so intensive Art und Weise zum Ausdruck bringen kann. Sie zeigt uns ein ersehntes, vorbehaltloses Vertrauen und Loyalität, wenn sie das Gleiche von uns erwarten kann. Ihre positiven Eigenschaften treten für uns in den Vordergrund. Ihre bisweilen immer noch beängstigenden Eigenschaften sind ein Bild für einen starken Charakter.

Selbst schwarze Katzen schenken uns wieder mit ihrem hypnotischen Schnurren ein Gefühl von Geborgenheit. Denn ungeachtet all der Grausamkeiten hat sie sich nicht von uns zurückgezogen.

Und das ist unser Glück.

 

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